Recycling vs. Upcycling – der Unterschied

Sortierte Kunststoffe für das Recycling
Sortierte Kunststoffe werden zu Rohmaterial für neue Produkte

Die Begriffe Recycling und Upcycling werden oft synonym verwendet, bezeichnen aber grundsätzlich verschiedene Prozesse. Beim Recycling wird ein Material abgebaut und in seine Grundbestandteile zerlegt, um daraus etwas Neues herzustellen. Altpapier wird zu Pulpe verarbeitet und zu neuem Papier gemacht. Glasflaschen werden eingeschmolzen und zu neuen Flaschen geformt. Plastik wird geschreddert, eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet. Dieser Prozess ist grundsätzlich gut, aber er ist auch energieintensiv und führt oft zu einer Qualitätsminderung – recyceltes Plastik ist meist minderwertiger als Neuware.

Upcycling hingegen bedeutet, ein Material in seiner bestehenden Form weiterzuverwenden und ihm dabei einen höheren Wert zu geben. Statt Altholz zu zerhäckseln und zu Spanplatten zu verpressen, verwenden wir es als massives Brett für eine Tischplatte. Statt alte Türen zu verbrennen, machen wir sie zum Herzstück eines Schranks. Das Material wird nicht abgebaut, sondern aufgewertet. Aus etwas, das als Abfall galt, wird ein hochwertiges, langlebiges Produkt.

Der Vorteil von Upcycling ist enorm: Es wird praktisch keine zusätzliche Energie benötigt. Wir schmelzen nichts ein, wir pulverisieren nichts, wir führen keine chemischen Prozesse durch. Wir sägen, hobeln, schleifen – alles mechanische Prozesse, die nur einen Bruchteil der Energie verbrauchen, die für echtes Recycling oder gar Neuproduktion nötig wäre. Gleichzeitig bleibt die Qualität des Materials vollständig erhalten – Altholz ist oft hochwertiger als modernes Schnellwuchsholz, da es von langsam gewachsenen Bäumen stammt.

Unsere Arbeit im Altholz Atelier ist also Upcycling in Reinform. Wir nehmen Material, das am Ende seiner ursprünglichen Nutzung steht – eine Palette, die nicht mehr transporttauglich ist, eine Tür aus einem abgerissenen Haus, Balken aus einer sanierten Scheune – und geben ihm ein zweites Leben. Dabei wird das Material nicht minderwertiger, sondern wertvoller: aus einer simplen Transportpalette wird ein Designer-Couchtisch, aus einer alten Tür ein charaktervoller Schrank.

Wie wir Holz vorbereiten

Die Vorbereitung von Altholz ist aufwendiger als die Verarbeitung von neuem Holz, aber sie ist der Schlüssel zu einem qualitativ hochwertigen Endprodukt. Jeder Schritt wird sorgfältig durchgeführt, um das Material zu erhalten und gleichzeitig sicher und verwendbar zu machen.

Entnageln

Entnageln und Aufbereitung von Altholz
Altholz wird entnagelt und sorgfältig vorbereitet

Der erste und zeitaufwendigste Schritt ist das Entnageln. Altholz – besonders Paletten, alte Kisten oder Verschalungen – ist voller Nägel, Schrauben, Klammern und manchmal sogar vergessener Drahtstücke. Diese Metallteile müssen entfernt werden, bevor wir mit dem Holz arbeiten können, denn sie würden unsere Sägeblätter und Hobelmesser beschädigen oder zerstören.

Das Entnageln erfolgt von Hand. Mit Brecheisen, Kuhfuß und Hammern hebeln wir die Nägel vorsichtig heraus. Bei verrosteten oder abgebrochenen Nägeln, die sich nicht mehr herausziehen lassen, verwenden wir einen Metallsuchgerät, um sie zu lokalisieren, und entfernen sie mit Zangen oder schleifen sie bündig ab. Dieser Prozess kann bei einer einzelnen Europalette – die etwa 80 Nägel enthält – leicht eine Stunde dauern. Bei alten Dachschalungen, die über ein Jahrhundert lang mit Schmiedenägeln befestigt waren, kann es noch länger dauern.

Trotz aller Sorgfalt bleiben manchmal Nagellöcher, Risse oder Ausbrüche zurück. Diese „Imperfektionen" sind für uns keine Mängel, sondern Teil des Charakters des Holzes. Sie erzählen von der früheren Nutzung und verleihen dem Material Authentizität. Wir füllen sie nicht mit Spachtelmasse auf, sondern lassen sie sichtbar – als Zeichen der Geschichte.

Schleifen

Schleifen von recyceltem Material
Schleifen macht die Oberfläche glatt, ohne Charakter zu verlieren

Nach dem Entnageln wird das Holz geschliffen. Anders als bei frischem Holz, das oft schon werksseitig gehobelt ist, hat Altholz eine raue, manchmal verwitterte Oberfläche. Je nach gewünschtem Finish schleifen wir unterschiedlich intensiv. Für ein rustikal-raues Finish schleifen wir nur leicht mit grober Körnung, um Splitter zu entfernen und die Oberfläche anfassbar zu machen. Für ein glattes, seidig-mattes Finish durchlaufen wir mehrere Schleifgänge mit zunehmend feiner Körnung – von 60er über 120er bis zu 240er Schleifpapier.

Beim Schleifen achten wir darauf, die Patina des Holzes zu erhalten. Verwittertes Holz mit seiner schönen Graufärbung wollen wir nicht bis auf das helle Kernholz abschleifen – die Verfärbung ist ja gerade das, was das Holz interessant macht. Wir schleifen also nur so viel wie nötig, nicht so viel wie möglich. Manchmal bedeutet das auch, dass verschiedene Bretter unterschiedlich stark geschliffen werden, um am Ende einen harmonischen Gesamteindruck zu erzielen.

Ölen

Oberflächenbehandlung mit natürlichen Ölen
Natürliche Öle schützen und betonen die Maserung

Als letzten Schritt der Oberflächenbehandlung ölen wir das Holz. Wir verwenden ausschließlich natürliche Hartöle auf Basis von Leinöl, Tungöl oder einer Mischung daraus. Diese Öle sind umweltfreundlich, gesundheitlich unbedenklich und bringen die natürliche Schönheit des Holzes perfekt zur Geltung.

Das Öl wird mit einem Pinsel oder Lappen aufgetragen und zieht tief ins Holz ein. Es füllt die Poren, verschließt die Oberfläche gegen Feuchtigkeit und Verschmutzung und betont gleichzeitig die Maserung. Helle Holzpartien werden etwas dunkler und wärmer im Ton, dunkle Partien bekommen mehr Tiefe. Nach etwa 30 Minuten Einwirkzeit wird überschüssiges Öl abgewischt. Das Holz trocknet dann über mehrere Tage vollständig aus.

Oft tragen wir zwei oder drei Schichten Öl auf, mit Zwischenschliffen. So entsteht eine sehr widerstandsfähige, matte Oberfläche, die trotzdem die natürliche Haptik des Holzes bewahrt. Anders als Lack, der eine Plastikschicht auf dem Holz bildet, bleibt geöltes Holz „atmungsaktiv" und fühlt sich warm und natürlich an. Und im Gegensatz zu Lack lässt sich eine geölte Oberfläche jederzeit auffrischen – einfach neu ölen, ohne schleifen zu müssen.

Warum das umweltfreundlich ist

Verarbeitung von Kunststoffgranulat
Plastikrecycling spart Ressourcen und Energie

Unsere Art, Möbel zu fertigen, ist in mehrfacher Hinsicht umweltfreundlich. Der offensichtlichste Aspekt: Wir fällen keine Bäume. Jeder Kubikmeter Altholz, den wir verwenden, ist ein Kubikmeter, für den kein Baum gefällt werden musste. Das mag wie eine Selbstverständlichkeit klingen, aber wenn man bedenkt, dass jährlich Millionen Tonnen an Bauholz, Möbelholz und Brennholz verbraucht werden, ist jeder Baum, der stehen bleiben darf, ein Gewinn für die Umwelt.

Der zweite Aspekt ist die Vermeidung von Abfall. Das Holz, das wir verwenden, würde sonst entsorgt werden – entweder in der Müllverbrennung oder auf Deponien. Die Verbrennung von Altholz mag Energie liefern, aber sie setzt CO₂ frei und zerstört ein Material, das noch jahrzehntelang genutzt werden könnte. Die Deponierung ist noch problematischer: Holz, das verrottet, setzt Methan frei, ein Treibhausgas, das um ein Vielfaches klimaschädlicher ist als CO₂. Indem wir Holz weiterverwenden, verhindern wir beide Szenarien.

Der dritte Aspekt ist die Energieeinsparung. Die Herstellung neuer Möbel ist energieintensiv: Bäume müssen gefällt, transportiert, in Sägewerken verarbeitet, getrocknet, gehobelt, verleimt, lackiert werden. Bei Spanplatten kommt hinzu, dass das Holz erst zerhäckselt, dann mit Leim und unter hohem Druck verpresst werden muss. All diese Prozesse verbrauchen enorm viel Energie – meist aus fossilen Quellen. Unsere Verarbeitung hingegen ist minimal: ein bisschen Sägen, Hobeln, Schleifen, Ölen. Alles Prozesse mit niedrigem Energieverbrauch.

Ein weiterer Aspekt ist die Vermeidung von Chemie. Moderne Möbel enthalten oft eine Vielzahl von Chemikalien: Formaldehyd in den Pressspan-Bindemitteln, Lösungsmittel in Lacken, Kunststoffbeschichtungen, Flammschutzmittel. Viele dieser Substanzen sind gesundheitlich bedenklich und gasen jahrelang in die Raumluft aus (der typische „Neue-Möbel-Geruch"). Unsere Möbel bestehen aus Holz und Metall – Punkt. Das einzige Finish ist natürliches Öl oder Wachs. Keine Ausdünstungen, keine Schadstoffe, keine Allergene.

Langlebigkeit ist der vielleicht wichtigste Nachhaltigkeitsfaktor. Ein Möbelstück aus Spanplatten hält vielleicht 5 bis 10 Jahre. Dann bricht es auseinander, die Beschichtung blättert ab, Scharniere reißen aus. Unsere Möbel aus massivem Altholz und Stahlgestellen halten Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte. Und wenn sie doch irgendwann nicht mehr gebraucht werden, sind sie immer noch reparabel, umgestaltbar oder – im schlimmsten Fall – kompostierbar (das Holz) bzw. recyclebar (das Metall). Ein Kreislauf statt Einbahnstraße.

Schließlich ist da noch der lokale Aspekt. Unsere Materialien kommen aus der Region, meist im Umkreis von wenigen Kilometern. Keine Container-Schiffe aus Asien, keine LKW-Transporte quer durch Europa. Kurze Wege bedeuten geringen CO₂-Ausstoß. Und die Fertigung findet hier statt, in unserer Werkstatt, von Menschen, die fair bezahlt werden und unter guten Bedingungen arbeiten. Keine Ausbeutung in Billiglohnländern, keine Kinderarbeit, keine Umweltverschmutzung durch Fabrikabwässer.

Unser Beitrag zur Kreislaufwirtschaft

Kreislauf von Materialien in der Werkstatt
Materialkreislauf: Vom Rohstoff zum Unikat und wieder zurück

Was wir tun, ist ein kleiner, aber konkreter Beitrag zur Kreislaufwirtschaft – einem Wirtschaftsmodell, das versucht, Abfall zu vermeiden und Ressourcen so lange wie möglich im Kreislauf zu halten. Statt des linearen Modells „Rohstoff → Produkt → Abfall" verfolgen wir das zirkuläre Modell „Rohstoff → Produkt → Nutzung → Wiederverwendung → neue Nutzung".

Unsere Möbel sind Teil dieses Kreislaufs. Das Holz hatte ein erstes Leben als Baum, ein zweites als Balken in einem Haus oder als Palette im Warentransport, ein drittes als Möbelstück in Ihrem Zuhause. Und wenn das Möbelstück irgendwann nicht mehr gebraucht wird, kann es ein viertes Leben haben: umgebaut zu etwas anderem, weitergegeben an jemand anderen, oder – als letzter Ausweg – verbrannt, wobei es die Energie zurückgibt, die der Baum einst aus der Sonne gespeichert hat. Nichts wird verschwendet.

Wir hoffen, dass unsere Arbeit auch ein Beispiel ist. Ein Beispiel dafür, dass Wirtschaft anders funktionieren kann. Dass man nicht immer neu produzieren muss, sondern kreativ mit Bestehendem umgehen kann. Dass Qualität wichtiger ist als Quantität. Dass Dinge, die mit Sorgfalt gemacht werden, länger halten und mehr Freude bereiten als Massenware. Wenn unsere Möbel dazu beitragen, dass Menschen bewusster konsumieren, dass sie die Wertschätzung für handgefertigte Dinge wiederentdecken, dass sie selbst anfangen, Dinge zu reparieren statt wegzuwerfen – dann haben wir mehr erreicht als nur Möbel zu verkaufen.

Umweltfreundlichkeit erleben

Überzeugen Sie sich selbst von der Qualität und dem Charakter unserer nachhaltig gefertigten Möbel.